In der Ruhe liegt die Kraft – Hilfe ich rede zu schnell!

In der Ruhe liegt die Kraft – Hilfe ich rede zu schnell!

Tipps, um das Sprechtempo in den Griff zu bekommen.

 

„Wie bitte? Können Sie das nochmal sagen?“ Diese Reaktion kennen Sie? Wir haben viel im Kopf, es gibt Termindruck und die Themen müssen bearbeitet werden. Da galoppieren wir unserem Zuhörer schon mal davon. Wir wollen ja keine Zeit verlieren! Wir hoffen, wenn wir schneller sprechen, mehr Inhalt dem Gegenüber vermitteln zu können.

Doch Vorsicht – Schnellsprecher werden schlecht verstanden. Außerdem wirken sie gehetzt und werden weniger ernst genommen. Im Galopp verlieren Sie Ihre Gesprächspartner. Ihre Argumente verlieren sich im Beschleunigungsrausch.

Doch ab wann spricht man zu schnell? Ist es nicht so, dass es auch Zuhörer gibt, die dem schnellen Sprechfluss gerne folgen, weil sie auch wenig Zeit haben? Fangen wir bei den Sprachen an. Durchaus gibt es Sprachen, die schneller gesprochen werden.

Christophe Coupé, Yoon Oh,  Dan Dediu and François Pellegrino (2019) haben 17 Sprachen aus dem europäischen und asiatischen Raum bezüglich der Sprechgeschwindigkeit verglichen. Dabei kam heraus, dass Japanisch, Spanisch und Baskisch zu den am schnellsten gesprochenen Sprachen gehören, während Vietnamesisch, Thai und Kantonesisch die am langsamsten gesprochenen Sprachen sind. Deutsch war unter den 17 Sprachen die sechstlangsamste.

https://advances.sciencemag.org/content/5/9/eaaw2594

Man könnte nun annehmen, dass Japaner, Spanier und Basken damit auch mehr Information vermitteln. Aber nein, es zeigte sich, dass die Informationsdichte für alle 17 Sprachen vergleichbar hoch war. Sie lag bei etwa 39,15 Bits pro Sekunde. Das bedeutet, dass die „langsamen“ Sprachen mehr Informationen pro Silbe übermitteln. Sie brauchen weniger Wörter, um in einem Zeitabschnitt genauso viel zu sagen, wie die „schnellen“ Sprachen.

Langsame Sprachen sind also effizienter in der Informationsvermittlung.

Deutsch gehört nicht zu den langsamen Sprachen! Sie dürfen sich durchaus Zeit nehmen Ihren Inhalt zu erläutern. Sie müssen sich nicht hetzen, da auch bei gemäßigtem Sprechtempo viel Information vermittelt wird.

Die Studie zeigte außerdem, dass zu schnelles  Sprechen negativ für Sprecher und Zuhörer ist. Für den Sprecher, weil er artikulatorische Abläufe sehr schnell umsetzen muss und es dabei vor allem im Bereich der Rhythmik (Betonung) zu Ausfällen kommt. Außerdem bleibt für die mentale Planung weniger Zeit, was der Sprecher durchaus als anstrengend empfindet. Für den Zuhörer sind sehr schnelle artikulatorische Abläufe durch die fehlende Betonung schwerer zu verstehen. Die Wiedererkennung der Worte ist fehlerhafter und damit  fällt die Speicherung der Inhalte schwerer.

Galoppieren Sie nicht, wenn Ihre Argumente wichtig sind. Im Trab gewinnen Sie Ihre Zuhörer viel besser.

Nun denken Sie sicher, das ist mir alles klar, aber wie spreche ich langsamer? Etwas zu vermeiden ist immer schwieriger, als eine andere Sache intensiver zu betreiben. In diesem Fall ist es die stärkere Betonung, die Ihnen helfen kann.

Betonen Sie mehr und sprechen Sie in kürzeren Sätzen!

Betonung bedeutet, dass man Worte korrekt betont. Sie können durch Lautstärke, Tonhöhe oder Länge betonen. Versuchen Sie es mal mit der Länge. „Tomate“ Wo ist die betonte und damit etwas länger gesprochene Silbe?  „TomAAte“ das A wird etwas länger gesprochen. „Bitte drei Tomaten.“ Hier kann man nun je nach Intention drei oder Tomaten betonen.

Über die Betonung steuern Sie die Verarbeitung Ihres Inhalts. Sie erleichtern Ihrem Zuhörer herauszuhören, was Ihnen wichtig ist. Betonung ist daher für die Informationsverarbeitung enorm wichtig. Jeder Satz hat einen Inhaltsträger und dieser muss doch Betonung (länger gesprochene Silbe) hervorgehoben werden. Im Umkehrschluss bedeutet zu schnelles Sprechen, dass die Betonung zugunsten der Zeitoptimierung gestrichen wird. Aber Zeitoptimierung steht hier im Gegensatz zur Informationsoptimierung.

Tipp: Betonen Sie was Ihnen wichtig ist! Das hilft dem Zuhörer.

Testen Sie Ihre Betonung:

Sie telefonieren gerade mit einem Freund. Schneiden Sie mit, was Sie sagen und hören Sie sich danach genau an, ob Sie immer die wichtigen Worte betonen. Schreiben Sie sich die wichtigsten Worte heraus und versuchen Sie die Längen der betonten Silben zu sprechen. Wenn Sie dem Zuhörer bei der Decodierung der gesprochen Sprache durch Betonung helfen, die wichtigen Informationen zu erkennen, kann er Ihnen leichter folgen. D.h. Ihr Zuhörer erkennt die von Ihnen gewählten Worte. Er erfasst den Inhalt, den Sie ihm mitteilen und kann dann mental Ihren Gedankengängen bequem folgen. Ist der erste Schritt der Worterkennung aber schwierig, weil Sie nicht betonen, ist der letze Schritt „Ich kann Ihnen folgen.“ nicht mehr möglich.

Üben Sie zu betonen und man wird Ihren Ausführungen gerne folgen.

Gerne unterstützen wir Sie dabei.

Viel Spaß!

Ihre Iris Eicher und das Team von SPC Sprechen-Person-Coaching

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