Warum sprechen Frauen heute tiefer?

Warum sprechen Frauen heute tiefer?

Vor 20 Jahren sprachen Frauen um 52 Hz höher als heute.

Prof. Fuchs Leiter der Phoniatrie in Leipzig hat in einer aktuellen Studie (2017) 2472 Leipziger untersucht.

http://www.radioeins.de/programm/sendungen/die_profis/archivierte_sendungen/beitraege/die-emanzipierte–frauen–stimme.html

http://www.berliner-zeitung.de/wissen/entwicklung-die-stimmen-von-frauen-sind-viel-tiefer-geworden–25800540

Das Ergebnis zeigt Frauen sprechen heute im Durchschnitt mit einer Frequenz von 168 Hz tiefer als vor 20 Jahren ( 220 Hz). Der Unterschied zur Männerstimme (110Hz) lag also früher fast bei einer Oktave. Heute ist er nur noch eine Quinte.

Warum sprechen Frauen plötzlich tiefer?

In der Studie wurden verschiedene Faktoren untersucht. Es konnten jedoch keine biologischen Faktoren für diese Veränderung gefunden werden. Männer und Frauen werden größer und ernähren sich besser, aber nur die weibliche Stimme hat sich verändert.

Prof. Dr. Walter Sendlmeier vom Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin hat viele Artikel zu diesem Thema veröffentlicht und erklärt, ob ein Mensch eine hohe oder tiefe Stimme hat, hängt von der Größe und Länge der Stimmlippen (Stimmbänder) ab. Frauen haben kürzere Stimmlippen als Männer und daher schwingen ihre Stimmlippen schneller also häufiger und das ergibt die höhere Herzzahl. Die Stimme klingt höher.

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/05/stimme-charakter-launen-krankheiten/seite-2

Männer sprechen daher in der Regel tiefer als Frauen. Allerdings werde die biologische Vorgabe überschätzt, sagt Sendlmeier. „Wir haben enorme Spielräume, die Frequenz, mit der die Stimmlippen schwingen, zu verändern.“ Schon die allgemeine Körperspannung wirkt auf die vielen kleinen Muskeln, die am Entstehen der Laute beteiligt sind. „Frauen wie Verona Pooth sprechen vermutlich nicht deshalb so hoch, weil sie kürzere Stimmlippen haben. Sie reden wahrscheinlich mit einer höheren Muskelspannung.“  Dies könnte nun bedeuten, dass Frau Pooth während des Sprechens angespannter ist.

Stimmlich gesehen vollzieht sich in Mitteleuropa ein weiblicher Kulturwandel. Die Stimmen der Frauen werden tiefer. Norwegerinnen sprechen tiefer als Britinnen oder Italienerinnen. Vielleicht ist die Emanzipation in Skandinavien weiter fortgeschritten.

Schon 2011 zeigte David Feinberg in einer Studie, dass Sprecher mit tieferen Stimmen auf die Versuchspersonen unter anderem dominanter, attraktiver, kompetenter und vertrauenswürdiger wirkten. Bei der Frage: „Wen würden Sie wählen?“ wurden sie häufiger favorisiert.

http://www.mcmaster.ca/opr/html/opr/media/main/NewsReleases/Preferencesshapedbyevolutiondrawvoterstocandidateswithlower-pitchedvoices.htm

Deutsche Frauen sprechen heute deutlich tiefer als vor 20 Jahren. Sie nutzen damit die Ergebnisse von Feinberg und bekommen Attribute wie kompetenter und vertrauenswürdiger zugeschrieben. Laut Prof. Sendlmeier sprechen sie aber auch mit weniger Muskelanspannung und damit entspannter.

Haben Männer schon immer in ihrer Komfortlage gesprochen und nur Frauen diese früher manipuliert, sich also angestrengt um höher zu sprechen?

Hartwig & Laver zeigten schon 1994 in ihrem Buch „Menschen und ihre Stimmen“ auf, dass weibliche Schauspielerinnen vor allem in den USA und UK in den letzten 50 Jahren mit deutlich höheren Stimmen sprachen. Seit der Jahrtausendwende hat sich dies verändert. Hartwig & Lavers zeigen dies in vielen Tonbeispielen.
In US Kriegsfilmen ohne Synchronisierung spricht der japanische Feind immer mit einer sehr hohen Stimme, dagegen hatte der amerikanische Held eine sehr tiefe Stimme. Weibliche Stimmen im Film sprachen in der amerikanischen Originalversion immer schon höher als in der deutschen Synchronisierung.
Neu ist, dass deutsche Frauen nun noch tiefer geworden sind.

Männer wie Frauen sind geprägt durch Erziehung (frühkindliche Imitation) und Medien. Es spielt eine Rolle, welche Stimmqualität mit wie viel Anerkennung verknüpft wird. Daraus ergibt sich möglicherweise eine Erklärung für das Phänomen, das man in Leipzig fand.

Frauen wollen heute nicht mehr das Mädchen darstellen, das den Männern zu arbeitet. Das mag 1950 die einzige Möglichkeit für Frauen gewesen sein, um überhaupt erfolgreich im Beruf zu sein. Heute stehen Frauen gut ausgebildet neben ihren männlichen Kollegen. Sie haben etwas zu sagen und tun dies mit fester und eben auch tieferer Stimme. Sie müssen sich nicht mehr verstellen und mit hoher Piepsstimme ihren Alltag meistern.

Vielleicht haben Frauen bald ihre Komfortlage auch stimmlich erreicht.
Frau Thatcher brauchte noch einen Stimmtrainer, um sich die hohe Stimme abzugewöhnen.

Wenn Sie weitere Informationen zum entspannten weiblichen Stimmklang suchen, dann besuchen Sie uns auf:

https://sprecher-coaching.de/coachings/stimmtraining-fuer-frauen/

Viel Spaß beim Sprechen! Ihr SPC Team.
Dr. Iris Eicher

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